Sinnspruch Diakonie

Rückblick und Vision Drucken

02.09.2014

 

Das Diakonische Werk zieht Bilanz

 

Bereits zum zweiten Mal haben die diakonischen Einrichtungen im ev.-luth. Kirchenkreis Emsland-Bentheim, gemeinsam Bilanz gezogen und ihre Arbeit in einem großen Bericht veröffentlicht. „Diakonie“, so erläutert  Geschäftsführerin Dorothea Währisch-Purz anhand des Leitbildes sei „Unterstützung und Hilfe im Strom des Lebens“. Dabei sollten die Liebe Gottes zu den Menschen und die Liebe zum Nächsten durch alle Mitarbeitenden erfahrbar sein. Einen großen Teil der Arbeit des Diakonischen Werks (DW) mache laut Dr. Ralf Drewes-Lauterbach, Leiter der Fachambulanz Sucht Emsland, die Suchtberatung aus. Von den rund 50 Mitarbeitenden seien zwei Drittel in der Suchtberatung tätig. Von den insgesamt 1500 Suchtberatungen im Jahr 2013, seien 700 im Bereich der Drogen anzusiedeln gewesen. Drewes-Lauterbach schätzt allerdings, dass trotz der hohen Zahlen nur ein Bruchteil der Betroffenen den Weg zu den Beratungsstellen findet. „Ich gehe davon aus, das lediglich 5% der Betroffenen tatsächlich mit uns in Kontakt treten und wir Hilfe leisten können“, so der Psychologe und Psychotherapeut. Das DW  ist eine der größten Beratungseinrichtungen in Niedersachsen und in der Region alleiniger Anbieter im Bereich der Drogensucht. Im ökumenischen Behandlungsverbund wird diese Beratung durch den Bereich Glücksspielsucht ergänzt. „Wir spüren“, so Geschäftsführerin Währisch-Purz, „dass es ein großes Potential an Betroffenen gibt und wir haben den Wunsch, dass sich mehr trauen, die Schwelle zu unseren Beratungseinrichtungen zu übertreten.“ Bei denen, die sich behandeln lassen sei ein deutlicher Trend zur ambulanten Behandlung erkennbar. 68% der Patienten wünschten ausdrücklich eine ambulante Therapie. Das läge aber auch an der Lebenssituation der Betroffenen. „Unsere Bilder im Kopf sind falsch über Diejenigen, die zu uns kommen“, erläutert Drewes-Lauterbach. „ Es sind nicht die, die im Park auf der Bank schlafen und es sind auch nicht die mit Migrationshintergrund.“ Lediglich 16,6% der Patienten kämen aus der Migration. 61% der Drogen- und Alkoholkranken stünden zu Beginn der Behandlung in einem Arbeitsverhältnis, weitere 16% seien schon im Ruhestand. Das DW behandle längst nicht mehr nur den Rand der Gesellschaft, sondern die Mitte. Deshalb kämen zu den vier festen Standorten inzwischen acht Außensprechstunden im ganzen Emsland hinzu, unter anderem in Gemeinde- und Krankenhäusern, Jugendhilfeeinrichtungen und in der JVA Lingen.

Zu Veränderungen und Visionen des DW zeigte sich Währisch-Purz ambitioniert. Die „Alte Backstube“ in Lingen, die 2013 ihr 25 jähriges Jubiläum feierte, werde neu ausgerichtet. Unter Beteiligung der Besucher, täglich etwa 30 Personen, solle die Teestube als niedrigschwelliger, konsumfreier Raum weiterentwickelt werden: „Die Menschen sollen dort so sein können, wie sie sind! Und sie sollen selbst sagen dürfen was sie brauchen und was vielleicht fehlt.“ Margot Reich, Trägerin des Diakoniekreuzes in Gold und langjährige leitende Mitarbeiterin in der Teestube werde damit neue Prozesse anschieben, so Währisch-Purz.

In wenigen Wochen werde sich auch abzeichnen, wie schnell es mit dem Konzept zur Verwirklichung des „Hauses Kirchlicher Beratungsdienste in Nordhorn weitergehe. „Unsere Klienten sagen, des es ihnen weiterhelfe, wenn alle Beratungsdienste der Kirchen (ev.-luth., ref., röm.-kath.) unter einem Dach zu finden seien“, begrüßt die DW Geschäftsführerin die Fortentwicklung des Projektes. „Alle Beteiligten haben große Lust zur Zusammenarbeit, jetzt wird sich zeigen, ob unser gemeinsames Haus gebaut werden kann.“

Ebenfalls zum Herbstanfang stehe wieder die „Woche der Diakonie“ vom 7.-14. September unter dem diesjährigen Motto „Wir sind Familie“ mit unterschiedlichsten Aktionen ins Haus. Die Woche der Diakonie stellt sich in diesem Jahr dem vielschichtigem und spannendem Thema „Familie“. Aus diesem Grund werden auch am 11. September die Diakonischen Werke der lutherischen und reformierten Kirche einen Tag auf dem Kirchenschiff der Landesgartenschau Papenburg mit Andachten und Informationen gestalten.

Aus aktuellem Anlass verwies die DW Geschäftsführerin auf einen neuen Aspekt der Arbeit, die „vertrauliche Geburt“ betreffend. Seit dem Sommer diesen Jahres sei eine Gesetzesänderung in Kraft getreten, die es Frauen ermögliche, ohne Datenerfassung und Kassenabrechnung ihr Kind in einem Klinikum zur Welt zu bringen und die Kosten einer vertraulichen Geburt werden vom Bund übernommen.“

Den gesamten Jahresbericht des Diakonischen Werkes für das Jahr 2013 finden Sie hier.

 

 

 

 

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